Trauern im Einklang mit der (menschlichen) Natur

Die Zeit, die bleibt, fängt heute an! Für nicht wenige Menschen gestaltet sich diese Zeit aber besonders schwierig, weil sie mit den Folgen eines schweren Verlustes zu kämpfen haben. Alleine schon der Faktor Zeit bekommt in der Krise eine ganz andere Bedeutung: Wenn sie nicht gerade gedanklich mit einem Fuß in der Zukunft stehen (Wie soll es jetzt nur weitergehen?), beschäftigen sich Betroffene ganz viel mit dem Vergangenen. Nun wissen wir aber aus Erfahrung, dass die Vergangenheit nicht mehr zu ändern ist: Das Gewesene ist und bleibt gewesen!
 
Was wir für uns aber aus der Vergangenheit mit in unser jetziges Leben nehmen können, sind die gemachten Erfahrungen, unsere Erkenntnisse und nicht zuletzt unsere schönen Erinnerungen. Am Anfang eines Trauerprozesses werden aber gerade Letztere oft als sehr schmerzlich empfunden. Doch mit der Zeit werden uns unsere Erinnerungen trösten und nicht zuletzt zu wertvollen Schätzen werden, die unser Leben nach dem schmerzlichen Verlust bereichern.

Erinnern, das ist vielleicht die
qualvollste Art des Vergessens
und vielleicht die freundlichste Art
der Linderung dieser Qual.

(Erich Fried)

Auch die Zukunft ist nicht planbar, obwohl wir es immer wieder versuchen. Wer kann heute schon wissen, ob es ein Morgen überhaupt geben wird? Folglich ist die Zeit, die uns zum Gestalten bleibt, die Gegenwart und vielleicht noch die unmittelbare Zukunft, das, was sozusagen schon in Sichtweite liegt. Auch unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft und damit auch nach Sicherheit und Geborgenheit ist nur in der Gegenwart zu stillen. Wenn wir darauf warten, dass die Zeit unsere Wunden heilen wird, warten wir vergebens. Außer vergehen tut die Zeit nichts. Wir müssen unser Leben also selbst in die Hand nehmen, selbst aktiv werden - und das braucht wiederum Zeit. 
 
Ein einschneidender Verlust verändert das Leben ganz! Alle Bereiche menschlichen Seins sind davon betroffen: Die Psyche, der Geist, das körperliche Befinden, unsere sozialen Kontakte und unsere Arbeit. Vieles von dem, was vorher wichtig und normal war, scheint mit einem Schlag bedeutungslos zu werden. Und die Erkenntnis, dass Zeit nicht nachzuholen ist, trifft so manchen Menschen in der Trauer wie ein Keulenschlag: Ach hätt‘ ich doch, ach könnt‘ ich noch …
Bekanntlich kommt im „normalen Leben“ erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Mit diesem Glaubenssatz sind viele von uns groß geworden. Auch ich bin diesem im Grunde genommen dummen Glaubenssatz oft genug gefolgt und war dann nach getaner Arbeit häufig viel zu müde, um mir noch etwas Gutes zu tun oder etwas Schönes zu erleben. Doch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Voll mit schönen Eindrücken und erfüllenden Begegnungen mit unseren Mitmenschen geht uns (fast) jede Arbeit leichter von der Hand! Auch und ganz besonders die Trauerarbeit!

Die Arbeit läuft dir nicht davon,
wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst.
Aber der Regenbogen wartet nicht,
bis du mit der Arbeit fertig bist.

(Chinesisches Sprichwort)

 

 

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© Martina Taruttis TrauDichReisen